Motion Heer Alfred. Schweizer Ort der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

01. März 2022
Kategorie: Politische Arbeit, Wichtige Voten im Rat

Als ich vor einiger Zeit an der Kantonsschule war, erhielten wir die Aufgabe, uns in Oral History zu üben, also in mündlicher Geschichtsüberlieferung. Man musste sich jemanden aussuchen, der älteren Semesters war und etwas zu erzählen hatte. Ich hatte meine Grossmutter ausgesucht, die als Nachfahrin von deutschen Juden in der Schweiz lebte, auch während des Zweiten Weltkrieges. Ich habe damals eine Geschichtsübung daraus gemacht, um von ihrer Geschichte zu erfahren. Ein Element waren auch die vielen Verwandten von ihr, die leider in Konzentrationslagern starben. Ich habe dabei auch herausgefunden, dass ich in Nazi-Terminologie damals noch als Vierteljude klassifiziert worden wäre.
Meine Grossmutter ist vor zwölf Jahren gestorben. Durch diesen familiären Bezug sehe ich, dass die Möglichkeit, Oral History zu betreiben mit Leuten, die direkt oder indirekt betroffen waren, zu Ende geht oder schon vorbei ist. Auch vor diesem Hintergrund hat diese Motion meine volle Unterstützung.
Gemeldet habe ich mich mit einer Ergänzung hierzu. So schrecklich der nationalsozialistische Totalitarismus war - und er war wahrscheinlich die schrecklichste Form des Totalitarismus, die wir bis jetzt in der Geschichte kennen -, so hat er doch kein Monopol darauf, ein schrecklicher Totalitarismus zu sein. So wäre es mein Wunsch und meine Erwartung, Herr Bundespräsident, dass man, wenn man dies umsetzt, irgendwo in einem solchen Mahnmal oder an einer solchen Ausstellung, vielleicht im letzten Raum, noch den Hinweis gibt, dass es leider auch noch andere schreckliche Ausgestaltungen des Totalitarismus gibt. Ich nenne nur den kommunistischen oder den islamistischen, es gibt auch den revanchistischen. Das wäre mein Anliegen an eine solche Ausstellung.

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